Mi 22 Apr 2009
.. dachten wir uns und stellten uns anlässlich der anstehenden Gemeinderatswahlen in Baden-Württemberg als Kandidaten einer nicht unbedeutenden aber in unserem Dorf verschwindend kleinen Partei zur Verfügung.
“Nein, wir wollen nicht Mitglieder werden - wir möchten euch nur unterstützen, dass ihr eure Liste gefüllt bekommt. Nein, wir wollen auch nicht in den Gemeinderat gewählt werden. Wir gehen freiwillig auf die letzten Plätze.”
Damit glaubten wir unsere gute Tat für die Allgemeinheit in diesem Jahr erledigt zu haben.
Die Vorbereitungen - untereinander kennenlernen, Programmpunkte erstellen und diskutieren - sind schnell erledigt. Und wir sahen unseren Part erfüllt, bis zu jenem Abend, als zur Vorbereitung des Maihocks folgende Sätze fielen:
“Die Kartoffeln könnt ihr im Obst- und Gemüsegarten abholen, 2,5 kg pro Kandidat. Die werden gekocht, gepellt, geschnibbelt und bis Donnerstagabend 18:00 h in der Winzerhalle abgegeben! Der V. macht dann daraus den Kartoffelsalat. Die Kuchen bringt ihr am Freitag zum Stand. Für die Standzeiten der einzelnen Kandidaten stellen wir noch einen Plan auf!”
Ich höre immer nur Kochen, Backen, Stand stehen! Hab ich nicht als Kandidatin für die Gemeinderatswahl andere Aufgaben zu erledigen? Diskutieren, erkläutern, forden, besser wissen? Mir schwant Schreckliches! Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich 5 kg Kartoffeln pellen - Lothar hat ja Dienst und wird sich an der Aktion nicht beteiligen können. Gleichzeitig werde ich zwei Kuchen backen müssen. Aber wieso überhaupt? Lautet das Motto etwa:
“Backen und Kochen für den Weltfrieden?” Aber warum dann in unserem Dorf?
“Ja wenn ich das gewusst hätte”, höre ich mich sagen, “dann hätte ich mir das aber noch mal ernsthaft überlegt!” Hilft aber nichts, denn: Mitgefangen, mitgehangen
Drum prüfe, wer sich engagiert,
ob sich’s tatsächlich auch rentiert!
Und er nicht zwischen den Kartoffelschalen
am Ende ernsthaft kommt zu Schaden!
Denn bedenke Freund der Liste,
es geht nicht um das besser Wissen.
Hauptsache s’Ränzle spannt
und zieht den Wähler in den Bann!
damit er sich am Tag der Wahl,
erinnert wie das Essen war.
Doch ob er von den Zielen weiß,
die wir verfolgten - das ist gleich.
Man könnte es ja so auf sich beruhen lassen, aber grillte nicht schon Frau Merkel für Bush. Muss ich, wenn ich mich politisch engagieren möchte kochen können? Hat Angela Kartoffeln geschält? Kochen statt regieren? Lafer for President?
Wir brauchen keine Parteien mehr - Großfamilienmanager/innen können besser kochen, mehr kochen, schneller kochen - für ein neues Deutschland!
Na dann - auf ins Kabinett und guten Appetit!